Landshut in der Moderne

Mit Spannung erwartet wurde die Eröffnung des ersten Bauabschnitts unseres künftigen LANDSHUTmuseums am Alten Franziskanerplatz! Nach gut anderthalb Jahren Bauzeit konnte mit der tatkräftigen Unterstützung des Freundeskreises Stadtmuseum Landshut e.V. am 14. Dezember 2016 durch Oberbürgermeister Hans Rampf der erste sanierte Komplex des ehemaligen Franziskanerklosters der Öffentlichkeit übergeben werden.

Zugleich rückt mit der Eröffnungsausstellung »Landshut in der Moderne« erstmals die Geschichte der Stadt Landshut in der Zeit nach 1858 in den Fokus der Aufmerksamkeit. Mit vier Abteilungen und rund 400 Objekten präsentiert sich ein buntes Themenspektrum. Und das Museum gewinnt Anschluss an die Gegenwart.

Was ist modern? Ab wann beginnt die Moderne? Wann beginnt sie in Landshut? Die Eröffnungsausstellung im LANDSHUTmuseum stellt sich diesen Fragen und versucht, Antworten zu dieser bisher kaum beleuchteten Zeit zu finden.

Der Weg in die Moderne ist lang. Die Abteilung »Momentaufnahmen auf dem Weg zur Moderne« lässt die seit dem 16. Jahrhundert prägenden Ereignisse aufleuchten. Erst mit dem Bau des Bahnhofs 1858 gewinnt die Entwicklung jedoch zunehmend an Dynamik. Nicht nur die Transport- und Verkehrsmittel verändern sich, sondern die Moderne beeinflusst zunehmend alle Bereiche: Mechanisierung und Technisierung halten um 1900 Einzug in Wirtschaft und Haushalt, von der Produktion bis zur Versorgung mit Lebensmitteln. Doch auch Kunst, Kultur und Freizeitbeschäftigungen wandeln sich. Großveranstaltungen prägen das Selbstverständnis der Bürger und ziehen Gäste an. Die »Landshuter Hochzeit« etabliert sich als Mythos. Doch über das vom industriellen Fortschritt beschwingte 20. Jahrhundert legt sich in der Zeit des Nationalsozialismus ein dunkler Schatten. Bereits 1920 formiert sich in Landshut die erste Ortsgruppe der NSDAP. Die verheerenden Folgen müssen nach ’45 überwunden werden. Vielerorts glückt ein Neuanfang.

Zwei weitere Abteilungen regen zum Nachdenken an: Arbeit und Aufgaben eines Museums werden in der »Museums- und Sammlungsgeschichte« vorgestellt. Und nicht zuletzt vermittelt die Abteilung »Weltanschluss durch Technik« noch Einblicke in Chancen und Risiken der Moderne.


Vier Momentaufnahmen der Stadtgeschichte illustrieren Landshuts Weg in die Moderne. Am Anfang steht der Zusammenbruch: das Ende des Herzogtums Bayern-Landshut im Jahr 1503. Bis zum Regierungsantritt Herzog Wilhelms V. im Jahr 1579 bleibt die Stadt mit Unterbrechungen im Genuss einer fürstlichen Hofhaltung. Erst den Dreißigjährigen Krieg erleben die Bürger als existentielle Bedrohung: 1634 brannte sich als Schreckensjahr in das kollektive Gedächtnis ein. Kurfürst Maximilian I. baut Bayern zu einem Bollwerk des Katholizismus aus. Die Religion wird zur einigenden Kraft. Um die Wende zum 19. Jahrhundert bricht die Säkularisation mit der überkommenen Ordnung: Unter dem Druck der äußeren und inneren Verhältnisse vollzieht sich die Entstehung des »modernen« Bayern.


In den beiden Jahrzehnten um 1900 ringt Landshut um den Anschluss an die Moderne. Mit Otto Marschall (1857 – 1935) steht der Stadt ein zwar noch junger, jedoch ebenso weitsichtiger wie tatkräftiger Bürgermeister vor. Auf dem Höhepunkt der Modernisierung der Stadt erfindet der Verein »Die Förderer« e.V. 1903 die Landshuter Hochzeit neu. Seit dem Historismus war die Aktualität des Mittelalters in Landshut eine feste Größe.


Schon früh gab es eine aktive Ortsgruppe der NSDAP in Landshut. Seit 1933 wehte auch über dem Landshuter Rathaus die Hakenkreuzfahne. 1935 nahm Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde entgegen. Die Ideologie durchdrang alle Sektoren der Gesellschaft, die Partei beherrschte den öffentlichen Raum. Hinter dem »schönen Schein« des Dritten Reichs entfalteten sich Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung. Aus der neu erbauten Schochkaserne zogen die Soldaten 1939 in den Krieg, 1945 wurde das Landshuter Bahnhofsviertel Ziel eines verheerenden Bombardements.


Zunächst kam die Industrialisierung verspätet nach Landshut. Heute stehen Betriebe wie BMW, ebm-papst oder B/E Aerospace Fischer für Weltniveau aus Landshut.
Auch die Geschichte der Sportstadt kommt nicht zu kurz: Die Gründung des Turn-Vereins 1861 verankerte den Sport im gesellschaftlichen Leben, die Stadt wurde Austragungsort überregionaler Wettbewerbe und Landshuter Sportler errangen bedeutende Erfolge.


Mit dem LANDSHUTmuseum besitzt die Stadt Landshut erstmals ein modernes Museum in eigenen Räumen. Der lange Weg dahin begann vor bald 200 Jahren mit der kleinen Sammlung städtischer Altertümer im Rathaus. Mit der Wiederbegründung des Historischen Vereins für Niederbayern betrat 1844 ein neuer Akteur die Bühne. Das 1911 eingerichtete »Stadt- und Kreismuseum« im »Sandstadel« vereinte beide Sammlungen. Noch führte der Verein das Museum. 1935 zog das Museum in die Stadtresidenz, die Stadt übernahm die Trägerschaft. Mit der dringend erforderlichen Sanierung der Museumsräume stellte sich seit Ende der 1990er Jahre erneut die Frage nach der Zukunft des Stadtmuseums. In den vielfältigen Umbrüchen der Gegenwart wird das LANDSHUTmuseum mehr denn je zum Identitätsangebot


Der technisch-wissenschaftliche Fortschritt führt seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Strukturwandel vor Ort. Mit der Allzuständigkeit der Kommune seit der Gemeindereform 1869 wächst deren Handlungsspielraum. Zusehends werden die Lebensbedingungen durch neue Standards der Versorgung, des Verkehrs oder der Hygiene verbessert. Die Überwindung der Distanz durch neue Verkehrsmittel führt Landshuter in alle Welt und Touristen in die Dreihelmenstadt. Kommunikationsmedien und Massenunterhaltung bestimmen unseren Alltag. Telefon, Film, Radio, Fernsehen und Internet schaffen Weltanschlüsse. Seit dem Historismus vermehren sich die Ladengeschäfte und Landshut wurde – langfristig gesehen – zur Einkaufsstadt. Dieser unaufhaltsame Prozess der Modernisierung mit seiner Fülle verschiedener Anschlüsse für jedes einstige Bürgerhaus verändert Institutionen und Strukturen, Bedürfnisse und Verhalten.


Öffnungszeiten

Di – So  10 – 17 Uhr

24./25./31. Dezember und Faschingsdienstag geschlossen
1. Januar: ab 14 Uhr geöffnet
Ostermontag und Pfingstmontag: geöffnet

Eintritt

Eintritt frei!